Verdauungsprobleme – Wenn die Verdauung unseres Hundes nicht rund läuft

Verdauung, was ist das eigentlich?

Oben rein – unten raus, so einfach ist das nicht. Auf ihrem Weg von oben nach unten wird die Nahrung durch verschiedenste Enzyme und Säuren aufgespalten und einzelne Bestandteile wie beispielsweise Elektrolyte, Vitamine oder Fettsäuren an geeigneter Stelle durch die Darmwand in eine Blutbahn abgegeben. Das Blut sorgt dann für den Weitertransport zu den sehnsüchtig wartenden Organen und stellt ihnen die Stoffe zur Verfügung. 

So benötigen Knochen zwingend Kalzium, die Gelenke unter anderem Wasser und die Muskeln Kohlenhydrate. Alles recht simpel formuliert. Die Physiologie des Körpers ist sehr viel komplexer. Hier geht es um Ionenpumpen und -kanäle, den Austausch der Ionen und Moleküle zwischen den einzelnen Schleimhäuten, Antransport und Abtransport, Umbau und Abbau von Nährstoffen und Schadstoffen. Diese Vorgänge nennen wir „Stoffwechsel“ … und ja, wir verstehen, dass viele Medizinstudenten hochkant durch das Physikum fliegen. 

Die Verdauung ganz einfach erklärt.

Die Aufspaltung des Futters beginnt bereits im Maul. Ein Hund hat in der Regel 42 Zähne und kräftige Kaumuskeln. Mit seinem Gebiss kann er locker zähes Fleisch und Knochen zermalmen. 

Bereits im Speichel sind Verdauungsenzyme enthalten. Sie bereiten die weitere Zerkleinerung für den Magen-Darm-Trakt vor. Das Hundefutter ist nun weich genug für den Weg durch den Rachen in die Speiseröhre und weiter in den Magen.

Der Magen eines Hundes hat einen sehr hohen Gehalt an Salzsäure. So kann er problemlos Knochen zersetzen, das könnten wir Menschen eher nicht.

Salzsäure??? 

Wir alle kennen zumindest Gerüchte von Horrorgeschichten, in denen Leichen in Salzsäure aufgelöst wurden, um einen Mord zu vertuschen. Diese Säure ist tatsächlich so aggressiv. Auch in unserer Magensäure ist Salzsäure vertreten, nur nicht so hochdosiert wie bei unserem Hund.

Warum verdaut der Hund sich dann nicht selbst?

In den Schleimhäuten ist die sogenannte „Magen-Darm-Barriere“ eingebaut. Sie ist sowohl kräftig genug, der Salzsäure zu trotzen, als auch Schadstoffe von außen nicht in den Magen oder den Darm zu lassen. 

Je nach Zusammensetzung der Hundemahlzeit bleibt das Futter zwischen 3 und 8 Stunden im Magen und wird dort mit Säuren, Enzymen und anderen Säften entsprechend bearbeitet. Dann begibt sich das Futter in den Dünndarm.

Der Dünndarm ist etwa 5 m lang, die Darmwand ist muskulös und walkt das Futter mit wellenartigen Bewegungen gut durch. Die Nahrung wird hier mithilfe der Galle aus der Leber und Sekreten der Bauchspeicheldrüse weiter aufgespalten.

Dann ist der Dickdarm dran. Sein Spezialgebiet ist der Wasserentzug. In jedem Tröpfchen Wasser stecken noch Mikronährstoffe, die dem Körper keinesfalls verloren gehen dürfen. Er sorgt dafür, dass tatsächlich nur noch das reine Abfallprodukt übrig bleibt. Die Verweildauer des Futters im Dickdarm beträgt bis zu 24 Stunden.

Endlich darf die Hundemahlzeit als Kot durch den After hinaus in die Welt.

Werfen wir einen Blick darauf.

Wir rennen nicht ohne Grund mit unseren Tütchen den Hunden hinterher und beseitigen alle Häufchen. Klar, auch wir mögen nicht in die Hinterlassenschaffen anderer Fellnasen treten, schon gar nicht, wenn wir gleich ein Büro betreten oder in ein Auto oder einen Bus steigen müssen. 

Über die Tütchen als solches könnte man durchaus diskutieren: Hundekot benötigt ein paar Tage zur Kompostierung, ein Plastiktütchen mehrere Jahrzehnte und länger. Wie wäre es mit rasch kompostierbaren Papiertütchen?

Wie auch immer.

Für uns jedenfalls ist das Aufnehmen der Hundehäufchen eine gute Chance, bietet es uns doch eine tägliche Überprüfung der Verdauung unseres Hundes.

1 bis 2 Häufchen pro Tag sollten die Regel sein. Bereits die Beschaffenheit des Kots lässt auf den Zustand der Verdauung schließen: Zu harter Kot weist uns ebenso auf eine Störung in der Verdauung oder eine Fehlernährung hin wie zu weicher, durchfallähnlicher Stuhl. Genau richtig ist die Konsistenz ähnlich einer Kinderknete.

Auch die Farbe des Kots sollte uns interessieren. Färbt er sich plötzlich gelb, könnten Karotten die Ursache sein, aber auch auf eine Gallenproblematik hindeuten. Ist der Kot plötzlich rot oder schwarz, können zwar Rote Bete der Grund sein, aber im Kot kann sich auch Blut befinden.

Habt Ihr keine nahrungstechnische Erklärung für eine Verfärbung, solltet Ihr eine Kotprobe vom Tierarzt prüfen lassen.

Kleine weiße Punkte sind in den meisten Fällen Würmer. Euer Tierarzt wird Eurem Hund eine Wurmkur verpassen und gut ist. Hoffentlich. Wenn nicht, wird weiter behandelt.

Sollte in der Oster- oder Weihnachtszeit ein Häuflein glitzern, wisst Ihr, dass Eure Süßigkeiten nicht gut genug versteckt sind.

Ein paar Symptome können uns auf Verdauungsprobleme unseres Hundes hinweisen.

Schlittenfahren

Manchmal rutscht ein Hund mit dem Hintern auf dem Boden herum, wir nennen das „Schlittenfahren“. Das kann sowohl ein Hinweis auf verstopfte Analdrüsen als auch auf Würmer oder juckenden Kot sein und sollte vom Tierarzt abgeklärt werden.

Bauchschmerzen

Symptome: 

  • Unruhe, der Hund kann nicht schmerzfrei liegen
  • Der Hund mag nicht essen.
  • Der Hund hat einen harten Bauch, fiept bei Berührung und spannt die Bauchdecke an.
  • Die Bauchmuskulatur verspannt sich, das erkennt Ihr am Rundrücken des Hundes, der ganze Körper ist verspannt
  • Blähungen
  • Erbrechen
  • Durchfall

Vielfältige Ursachen können diese Symptome auslösen.

  • Gastritis
  • Stress
  • Ernährung
  • Infektionen
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse
  • Futtermittelallergie
  • Schmerzen in der Wirbelsäule (Arthrose, Spondylose, Bandscheibenvorfall …) strahlen aus und hindern den Hund an der Position zum Kotabsatz

Verstopfung

Geht Euer Hund ständig in die Hocke? Es kommt aber nichts oder nur sehr wenig?

Was kommt, ist hart und trocken? Das ist ein typisches Zeichen für eine Verstopfung.

Bei einer Verstopfung verbleibt der Kot zu lange im Dickdarm, der ihm ständig Wasser entzieht. Eine Verstopfung führt zu Schmerzen, Krämpfen und Verspannungen. Dadurch wird die Situation im Dickdarm nicht besser und der Kot kann irgendwann gar nicht mehr raus.

Der Dickdarm füllt sich immer mehr und dehnt sich aus. Im schlimmsten Fall kann er reißen und der Kot landet im Bauch, eine lebensgefährliche Situation.

Wir können unserem Freund helfen.

Zunächst beäugen wir sein Futter:

  • Knochen können eine Verstopfung auslösen, also lassen wir sie erst mal weg.
  • Eine ballaststoffreiche Diät kann Abhilfe verschaffen. Fasern nehmen viel Wasser auf und quellen. So wird der Kot weicher und gleitet durch die Därme. Ihr könnt gequollene Leinsamen, aufgekochte Weizenkleie oder ein ballaststoffreiches Fertigfutter anbieten.
  • Trinkt Euer Hund genügend? Frisches Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Ihr könnt auch Knochen ein oder zwei Stunden in reichlich Wasser auskochen, erkalten lassen und ihm die Brühe anbieten. Das erhöht seine Wasseraufnahme vermutlich ordentlich. Klar, das Ergebnis ist unter anderem mindestens ein Gassigang mehr. (Niemals die gekochten Knochen geben, sie splittern und gehören ganz einfach in den Müll.)
  • Vermeidet Trockenfutter, Nassfutter hat deutlich mehr Wasser und wird leichter verdaut.

Bewegung und therapeutische Hilfe

Ruhige, entspannte Spaziergänge etwa eine Stunde nach den Mahlzeiten fördern die Darmtätigkeit und somit den Kotabsatz. Und das nicht nur in einer akuten Verstopfungsphase.

Wir Osteopathen für Tiere können mit geschulten Handgrifftechniken Blockaden und Verspannungen lösen. Mit sanften Massagen beruhigen wir Faszien, Muskeln und Nerven, die eine Verstopfung negativ beeinflussen.

In den meisten Fällen kommen unsere Patienten eigentlich mit Wirbelsäulenproblematiken zu uns. So ein Körper ist ein faszinierendes Gebilde, alles hängt mit allem zusammen. Lösen wir beispielsweise eine Blockade im Beckenbereich, ist eine Verstopfung oft Vergangenheit.

Sollten zur Verstopfung allerdings weitere Symptome wie Erbrechen, allgemeines Unwohlsein und Appetitlosigkeit dazukommen oder die Verstopfung länger als 2 Tage andauern, müsst Ihr unbedingt Euren Tierarzt hinzuziehen.

Aber nicht nur Nahrung kann zu Verstopfung führen:

  • Verschluckte Fremdkörper wie Spielzeug oder Knochenstücke können brandgefährlich sein. Wenn Ihr das seht, führt am sofortigen Gang zum Tierarzt kein Weg vorbei.
  • Bandscheibenverletzungen, Nervenverletzungen, Tumoren etc.
  • Alter
  • Stoffwechselstörungen

Durchfall

Die Symptome für Durchfall sind typisch:

  • Bauchschmerzen
  • Krämpfe
  • Unruhe
  • vermehrtes Speicheln
  • Fieber
  • … und natürlich der Durchfall selbst, der ist weder zu übersehen noch zu überriechen.

Durchfall kann viele Ursachen haben: Infektionen mit Bakterien oder Viren, Parasiten wie Würmer oder Giardien oder einfach eine Futterumstellung. Solange der Durchfall nicht länger als 2 oder 3 Tage anhält oder Ihr kein Blut im Stuhl entdeckt, könnt Ihr ihn selbst behandeln.

Schonkost bei Durchfall

  • Hühnchen mit Reis
  • Morosche Karottensuppe
  • Probiotika, Wasser mit Elektrolyten (Salz und Zucker)

A Propos Elektrolyte: Erinnert Ihr Euch noch an früher, als unsere Mütter uns Salzstangen und Cola gegen Durchfall gegeben haben? Das war gar nicht gegen Durchfall. Es ging nur um die Elektrolyte, die im Körper bleiben mussten: Cola hatte genug Zucker, Salzstangen das Salz. Alles andere war Hokuspokus. Dennoch haben wir es geliebt.

Osteopathie

Auch bei Durchfall können wir mit geschulten Handgriffen für Entspannung sorgen, Durchfall tut weh. Wir beruhigen die gequälten Muskeln, Faszien und Organe. 

Aber:

Dauert der Durchfall länger als 2 bis 3 Tage oder Ihr findet gar Blut im Kot werden auch wir Euch mit Eurem Freund zum Tierarzt schicken, um die Ursache zu ergründen. Natürlich bleiben wir bei Euch, lindern die Schmerzen und unterstützen die Therapie des Tierarztes.

Versprochen.

Eure Bettina.

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Physiotherapeutin Osteopathin Chiropraktikerin

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